Sie löscht nicht nur Brände, sondern ist in allen möglichen Notsituationen zur Stelle: die Feuerwehr. Bei ihrem Einsatz setzen sich die Helferinnen und Helfer regelmäßig großen Gefahren aus. Vor etwas mehr als eineinhalb Jahren ist ein weiterer Risikofaktor hinzugekommen – die mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus. Die Platzverhältnisse in den Fahrzeugen sind beengt, kleine geschlossene Räume wie die Kabine eines Löschfahrzeugs bieten günstige Voraussetzungen für die Ausbreitung von Erregern. Aus diesem Grund haben Freiwillige Feuerwehren und Wissenschaftler aus der Region ein Forschungsprojekt gestartet – die Initiative kam vom Ilvesheimer Kommandanten Elmar Bourdon (wir berichteten). Die zugrunde liegende Frage war einfach: Wie kann man Feuerwehrleute am besten vor einer Corona-Infektion schützen? Nun sind die Ergebnisse der im März durchgeführten Versuche wissenschaftlich begutachtet und in einem internationalen Fachjournal veröffentlicht worden. „Es freut uns sehr, dass dieser Prozess nun abgeschlossen ist. Das zeigt, dass unsere Untersuchungen den sehr hohen wissenschaftlichen Standards gerecht werden“, sagt Bourdon. Aber welche Erkenntnisse haben Bourdon und seine Mitstreiter nun gewonnen? „Das vom Hersteller im Fahrzeug eingebaute Lüftungssystem scheint bereits sehr effizient“, nennt der Kommandant ein wichtiges Ergebnis der Studie. Zahlreiche Testfahrten mit verschiedenen Versuchsanordnungen hätten gezeigt, dass – je länger die Einsatzfahrt dauere – der zunehmende Luftaus-tausch zu einem Absinken der Aerosol-Belastung führe. Als Aerosole werden kleinste flüssige Partikel in der Atemluft bezeichnet. Diese können Träger von Viren und anderen Krankheitserregern sein.

Nur sechs statt neun Personen
Laut Studie könnten weitere Schutzmaßnahmen helfen, die Aerosol-Belastung der Atemluft spürbar zu reduzieren, berichtet Bourdon. Diese sind: nur sechs statt neun Personen im Fahrzeug, das Tragen von FFP2-Masken und der Verzicht auf das vorbereitende Anlegen von Vollmasken für den späteren Anschluss an das Atemschutzgerät. Dieser Vorgang findet sonst üblicherweise schon im Fahrzeug auf dem Weg zum Einsatz statt. Die Wirksamkeit all dieser Vor-kehrungen haben die Feuerwehren in zahlreichen Testfahrten untersucht – einmal jede Maßnahme für sich, dann in Kombination miteinander. Außerdem gab es eine Testfahrt ohne Schutzmaßnahmen. Damit die Resultate vergleichbar sind, haben die Teilnehmer der Studie viele Faktoren vereinheitlicht. Jede Fahrt dauerte genau 15 Minuten, ging über genau dieselbe Distanz mit der gleichen Geschwindigkeit. Auch die Sitzpositionen der Teilnehmer blieben gleich, die Einstellungen zur Innenraum-Belüftung wurden zwischen den Testfahrten ebenfalls nicht geändert. Für die Messungen kam modernste Technik zum Einsatz – unter anderem ein von Wissenschaftlern des Forschungszentrums CeMOS (an der Hochschule Mannheim) erfundener Würfel. Er erkennt kleinste Partikel in der Luft und kategorisiert sie. Die Studienteilnehmer hatten im Vorfeld große Vorsicht walten lassen. Alle waren doppelt geimpft, PCR-getestet und zusätzlich auf Corona-Antikörper untersucht. Eine Ethikkommission hatte den Einsatz darüber hinaus vorab geprüft. Die Feuerwehrleute, die an der Studie teilnahmen, kamen aus Ilvesheim, Hirschberg, Edingen-Neckarhausen und Ladenburg. Sie freuten sich, zu den wissenschaftlichen Erkenntnis-sen beitragen zu können.

Erste Untersuchung dieser Art
Unter ihnen war auch Pascal Löffelhardt. Mittlerweile ist er Kommandant der Ladenburger Feuer-wehr. „Etwas ungewöhnlich“ sei der Ablauf aber schon gewesen, berichtete er im März dieser Redaktion. Denn bei den Versuchen habe man zum Teil doch recht eng beieinander gesessen. Da habe man gemerkt:„Abstand, Maske, Händewaschen – all das hat sich bereits jetzt tief in die alltäglichen Abläufe eingeschliffen.“ Die Studie ist die erste ihrer Art. „Wir haben Entscheidern und Behörden im Feuerwehrwesen weltweit wichtige Hinweise zur Überprüfung ihrer Corona-Schutzmaßnahmen gegeben“, betont Bourdon. Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Ilvesheim und promovierte Gesundheitswissenschaftler arbeitet Vollzeit in der Mannheimer Stadtverwaltung und ist außerdem assoziierter Wissenschaftler am Institut für Medizintechnologie der Universität Heidelberg und der Hochschule Mannheim.

© Tageszeitung Mannheimer Morgen – Torsten Gertkemper